2. soziale Spaltung verhindern - Potenziale fördern

Hamburg hat die höchste Millionärsdichte und ist mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt die reichste Stadt Deutschlands. Gleichzeitig ist Hamburg die Stadt mit der stärksten sozialen Spaltung in diesem Land. So gelten z.B. 23 Prozent der in Hamburg lebenden Kinder als arm, während es im Bundesdurchschnitt nur 12,7 Prozent sind. Aber auch bei der Erwerbslosenrate liegt Hamburg in der Spitzengruppe der westdeutschen Großstädte. Armut bedeutet dabei für die Betroffenen nicht nur ein Mangel an materiellen Ressourcen. Vielmehr führt Armut oft auch zum sozialen Ausschluss aus der Gesellschaft. Sozialpolitik muss auf diese Situation neue Antworten finden. Es geht nicht mehr ausschließlich um gerechte materielle Verteilung   auch wenn dies nach wie vor die zentrale Grundlage für eine menschenwürdige gesellschaftliche Teilhabe ist. Vor dem Hintergrund von Massenarbeitslosigkeit, einer globalisierten Wissensgesellschaft und der zunehmenden sozialen Polarisierung muss Politik nicht nur Rahmenbedingungen für einen gerechten Zugang zu Bildung und Gesundheitswesen, Arbeitsmarkt und Wohnraum schaffen. Politik muss auch dafür Sorge tragen, dass Armut und Arbeitslosigkeit nicht zu gesellschaftlicher Isolation und fehlender Anerkennung führen. Die GAL Nord wird diese Anforderung im Rahmen der Möglichkeiten der Bezirkspolitik umsetzen.

„Viertel vor!“ Quartiersarbeit schafft Lebensqualität

Das von der GAL Hamburg entwickelte Programm „Viertel vor“ setzt da an, wo sich die Probleme ballen: in den am stärksten benachteiligten Vierteln Hamburgs. „Viertel vor“ bietet Konzepte, die wir auch in den benachteiligten Stadtteilen von Hamburg-Nord, wie zum Beispiel Dulsberg, anwenden wollen. Die Bewohnerinnen und Bewohner, die Gewerbetreibenden und Institutionen vor Ort beteiligen sich an der Entwicklung ihres Quartiers und erarbeiten ein Zukunftskonzept. Stadtteilrat und Quartiersmanagement kümmern sich um die Umsetzung. Dazu werden mit Mitteln des öffentlichen Arbeitsmarkts für die Menschen im Viertel Arbeitsplätze geschaffen, die der Verbesserung der Lebensqualität vor Ort dienen. Erziehungsprobleme und das Fehlen von Austausch- und Kontaktmöglichkeiten kennzeichnen die Lebenssituation vieler Familien in den benachteiligten Stadtteilen. Mit neuen Familienzentren wollen wir Orte schaffen, an denen Austausch möglich ist und Beratungsangebote wahrgenommen werden können. Ferner wollen wir im Rahmen des Quartiersmanagements auch die Bildung von Familiennetzwerken erreichen. Einbezogen werden alle Institutionen, die mit Eltern, Kindern oder Jugendlichen arbeiten. So können Probleme frühzeitig erkannt, aber auch positive Entwicklungen angemessen unterstützt werden.

Wohnungslosigkeit verhindern!

Die bezirkliche Fachstelle für Wohnungsnotfälle muss ihre Arbeit entscheidend verbessern: Im Bereich der Wohnungssicherung sollte die Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungsverlusten bei Zwangsräumungen den Gerichtsvollzieher regelhaft begleiten und generell bei entstandenen Mietschulden aufsuchende Arbeit leisten. Die Wohnungsvermittlung muss ebenfalls verbessert werden. Dazu sollte die Kooperation mit den Wohnungsunternehmen auf Bezirksebene intensiviert und stärker durch begleitende Hilfen flankiert werden. Generell soll die Versorgung mit Wohnungen Vorrang vor der Unterbringung in öffentlichen Unterkünften erhalten. Statt der bestehenden großen Unterkünfte brauchen wir mehr kleine und dezentrale Einrichtungen, in denen gezielt auf die besonderen Problemlagen der dort Lebenden eingegangen werden kann. Ein besonderes Augenmerk müssen wir dabei auf die steigende Zahl von jungen Erwachsenen richten, die besonders intensiver Betreuung bedürfen, um für sich eine positive Lebensperspektive zu finden. Das Angebot für wohnungslose Frauen muss erweitert und noch genauer an deren oft bestehende psychosoziale Problemlagen angepasst werden. Insgesamt müssen die Fachstelle für Wohnungsnotfälle, die Schuldnerberatungen und die Suchthilfe-Einrichtungen enger als bisher zusammenarbeiten.Selbst bei gut funktionierenden Konzepten und Angeboten zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit muss ehrlicherweise festgestellt werden, dass es Menschen gibt, die mit dem Wohnen in der eigenen Wohnung überfordert sind. Die Zahl dieser Menschen steigt an. Für diese „wohnungsunfähigen“ Personen braucht es zusätzliche betreute Wohngemeinschaften, weil die jetzigen stationären Einrichtungen dafür nicht ausreichend sind. Die GAL Nord wird sich für die Schaffung von betreuten Wohngemeinschaften für wohnungsunfähige Menschen einsetzen.Für den Containerplatz für Wohnungslose an der Hamburger Straße gibt es mehr Anfragen als Plätze. Mit dieser niedrigschwelligen Hilfe wird Menschen von der Straße der Weg  zurück in Wohnraum erleichtert. Dieses Angebot ist konzeptionell und von seinen Erfolgen als einmalig zu bewerten. Daher fordern wir auch an einer anderen Stelle im Bezirk ein solches Angebot für Menschen, die ansonsten vom Hilfesystem nicht erreicht würden.

Barrieren abbauen - Teilhabe von Menschen mit Behinderung umsetzen

Noch immer werden Menschen mit Handicap in unserer Gesellschaft diskriminiert und ausgegrenzt. So sind nur fünf bis sieben Prozent der Kinder mit Behinderung im deutschen Regelschulsystem eingegliedert und gar nur zwei Prozent aller Jugendlichen mit Behinderung haben eine Ausbildung in einem örtlichen Unternehmen oder dem öffentlichen Dienst erfahren. Ziel emanzipatorischer Politik muss es sein, dieser Ausgrenzung entgegenzuwirken. Nicht nur für ältere Menschen oder für Menschen mit Behinderung, auch für Familien, die mit Kindern unterwegs sind, stellen Treppen und Stufen erhebliche Hürden dar. Die GAL begrüßt es, dass die Zielvorstellung einer barrierefreien Gesellschaft sowohl in das Hamburger Baurecht als auch in das Hamburger Gleichstellungsgesetz Eingang gefunden hat. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die barrierefreie Infrastruktur in allen Lebensbereichen weiterentwickelt und umgesetzt wird. Das umfasst beispielsweise die Überwindung von Höhenunterschieden durch Aufzüge oder Rampen, blindengerechte Markierungen im Straßenbelag oder barrierefreie Bahnhöfe. Auch Sprachbarrieren müssen abgebaut werden. Bei den Ämtern und Behörden sollen daher Formulare, Anträge und Vordrucke in mehreren Sprachen und auch in einer für Menschen mit Lernbehinderungen verständlichen Fassung zur Verfügung stehen. Es sollen auch Arbeitsplätze mit Bild- und Gehörlosentelefonen eingerichtet werden. Außerdem soll im Bezirk ein Beirat für die Belange behinderter Menschen eingerichtet werden.Unser Ziel ist, dass Menschen in jeder Lebenslage selbstbestimmt auf die von ihnen gewünschte Weise leben und wohnen können. Darum setzen wir uns dafür ein, dass im Bezirk neue Wohnformen realisiert werden können: zum Beispiel das Mehr-Generationen-Wohnen oder betreute Wohngemeinschaften für ältere und wohnungslose Menschen.

Krankenhäuser zu Gesundheitszentren weiterentwickeln

Die GAL Nord unterstützt ausdrücklich, dass die in Hamburg-Nord befindlichen Krankenhäuser nach dem Vorbild des Hafenkrankenhauses St. Pauli zu Gesundheitszentren um- und weiterentwickelt werden. Durch ein Zusammenwirken von vorbeugenden und fächerübergreifenden Angeboten, von Schul- und Alternativmedizin sowie der Kooperation mit den örtlichen sozialen Institutionen und Selbsthilfegruppen wollen wir eine zukunftsweisende Gesundheitsversorgung durch eine ganzheitliche Konzeption erzielen.

URL:http://gruene-nord.de/kreisverband/archiv/bezirkswahl-2008/bezirks-wahlprogramm/2-sozial/