Pressemitteilung

Jugendfeuerwehr statt Nazi-Aussteigerprogramm? GRÜNE kritisieren fehlenden Rückhalt für Demokratieförderung

27.05.2026

Fraktion

Die GRÜNE Fraktion Hamburg-Nord hatte im April einen Antrag zur Unterstützung des
bedrohten Bundes-Förderprogramms „Demokratie leben!“ vorgelegt. Nun beschloss die
Koalition aus SPD, CDU und FDP im Kulturausschuss einen eigenen Antrag und lehnte den
GRÜNEN Antrag ab.
Die GRÜNEN kritisieren dies scharf, denn der Koalitions-Beschluss zur Zukunft des
Bundesprogramms ist unpolitisch und wirkungslos.

Daniela Clément, GRÜNE Fraktionsvorsitzende: „Es wird deutlich: In Hamburg-Nord hat CDU-Bundesbildungsministerin Prien volle Unterstützung nicht nur ihrer Partei, sondern auch von SPD und FDP bei ihrem Vorhaben, etablierten, aber unbequemen Demokratieprojekten einen Schuss vor den Bug zu geben. Diese Koalition hat anscheinend wenig Interesse an einer kritischen Zivilgesellschaft im Bezirk.“

Ein Abbruch der Förderung, wie ihn Prien plant, bedeutet ein großes Risiko für die gewachsene
demokratische Infrastruktur. Dieser wesentliche Aspekt fehlt aber im Beschluss der Koalition
völlig: Weder die angekündigte Neuaufstellung des Programms noch wahrscheinliche
Förderunterbrechungen werden überhaupt adressiert.


Clément weiter: „Stattdessen ersetzt die Koalition explizite Demokratieförderung durch allgemeine Jugendarbeit. Plötzlich sollen Jugendsport, Jugendfeuerwehren, Pfadfinder, kirchliche Verbände, kulturelle Bildung und sogar ‚ländliche Jugendverbände‘ – ein Begriff, der in Hamburg-Nord wirklich sinnbefreit ist – quasi nebenbei die Demokratie retten.
Demokratieförderung lässt sich aber nicht durch allgemeine Vereins- und Jugendarbeit erledigen. Das ist eine politische Verschiebung, die den Kern des Programms verfehlt und die konkrete Arbeit vor Ort entwertet.“

Auch die kulturpolitische Sprecherin der GRÜNEN Fraktion, Isabel Permien, kritisiert die
inhaltliche Verschiebung deutlich:

„Die von SPD, CDU und FDP genannten Strukturen stehen überhaupt nicht zur Disposition im
Rahmen von ‚Demokratie leben!‘. Der Beschluss verschiebt den Fokus von antifaschistischer,
antirassistischer und demokratiesichernder Arbeit hin zu allgemeiner Jugendarbeit. Das ist die
bewusste Entpolitisierung eines klaren Pro-Demokratie-Förderprogramms.
Ein Sportverein ersetzt aber keine Beratung für Opfer rechter Gewalt. Eine Jugendfeuerwehr ersetzt keine Ausstiegsarbeit aus Neonazi-Strukturen. Pfadfinderarbeit ersetzt keine Unterstützung für queere Geflüchtete. Die erwähnten Jugendangebote sind wichtig – aber sie sind nicht austauschbar mit spezialisierter Demokratieförderung.“

Hintergrund

Demokratie braucht Menschen, die sie täglich mit Leben füllen. Das Bundesprogramm
„Demokratie leben!“ unterstützt genau das. Seit 2015 fördert es bundesweit Projekte, die sich
gegen Extremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit engagieren, die Demokratiebildung
stärken und zivilgesellschaftliches Engagement ermöglichen.
Bundesbildungsministerin Karin Prien hat angekündigt, das Programm einzustellen und unter
anderen Richtlinien neu aufzusetzen. Nach welchen Kriterien das geschehen soll, ist noch
unklar. Ebenso sind teils langjährig laufende Projekte akut durch eine Einstellung der Förderung
bedroht – bei unklarer Perspektive müssen sich Angestellte nach Alternativen umsehen.
In Hamburg-Nord sind drei Projekte aktiv, die aus Mitteln von „Demokratie leben!“ gefördert
werden und deren Arbeit unmittelbar in die Stadtteile wirkt:

  • Das Landes-Demokratiezentrum Hamburg stellt ein umfassendes Beratungsangebot bereit – für Menschen, die Opfer extremistischer oder rassistischer Gewalt geworden sind, für Menschen, die aus rechten Strukturen aussteigen wollen.
  • Das Projekt „Settle In“ der KWB Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung unterstützt junge LSBTIQ*-Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte in der Metropolregion Hamburg. Menschen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind – wegen ihrer Herkunft, wegen ihrer Identität, wegen beidem zugleich.
  • Die Partnerschaft für Demokratie Hamburg-Nord wird vom Bezirksamt Hamburg-Nord selbst getragen. Sie vernetzt Vereine, Verbände, Religionsgemeinschaften und engagierte Bürger*innen, die sich in ihrem Umfeld für Demokratie und ein gutes Miteinander einsetzen.

Anlage

Daniela Clément

JPG

Herunterladen

Isabel Permien

JPG

Herunterladen

Themen dieser Pressemitteilung

Diese Pressemitteilung teilen:

Pressekontakt

Für Rückfragen, Interviewanfragen oder zur Aufnahme in den Presseverteiler erreichen Sie unser Presseteam unter den folgenden Kontakten. Wir antworten in der Regel innerhalb eines Werktags.

Christoph Reiffert

Ansprechpartner für Medienanfragen (Bezirksfraktion)

Eike Dudwiesus

Ansprechpartner für Medienanfragen (Partei)

Rückfragen zur Pressemitteilung?

Für Interviews, O-Töne oder weiterführende Informationen zu dieser Meldung wenden Sie sich gern direkt an unser Presseteam. Wir antworten Journalist*innen in der Regel noch am selben Werktag.